logo pg am Weinstock Jesu

Liebe Leserinnen und Leser,

ich glaube, jeder hat oder hatte Vorbilder in seinem Leben. Menschen, denen man nachahmen möchte, weil man sie bewundert für das, was sie tun oder für die Art wie sie ihr Leben meistern. Oft sind das die Eltern, Lehrer oder auch berühmte Persönlichkeiten.

An ihnen kann man sich ausrichten.

Aber wie ist das, wenn man selbst zum Vorbild wird? Wenn sich jemand nach mir ausrichtet, weil es ihm oder ihr gefällt, wie ich die Dinge in meinem Leben angehe.

Vor ein paar Jahren hat meine Nichte in der Grundschule auf einem Arbeitsblatt die Frage beantworten sollen: Wer ist dein Vorbild und warum? Und sie hat geschrieben: Meine Tante Sandra, weil sie immer so lustig ist.

Einerseits macht es mich sehr stolz und es freut mich zutiefst, wenn ich Parallelen zwischen uns erkenne. Aber andererseits baut es auch einen gewissen Druck für mich auf. Da verlässt sich jemand auf mich, vor allem darauf, dass ich immer etwas Positives aus einer Situation ziehen kann. Aber was, wenn es mir mal so schlecht geht, dass ich es nicht mehr kann? Was wenn ich manches im Leben falsch angehe und sie dann die gleichen Fehler macht wie ich? Was, wenn ich sie enttäusche?

Vorbild sein - gar nicht so einfach. Und dennoch ist es eine kostbare Erfahrung, denn es ist nichts, was ich mir aussuchen kann. Es wird mir geschenkt. Denn mein Gegenüber entscheidet, ob er oder sie mich zum Vorbild nimmt oder nicht.

Es ist eine Verantwortung, die mir zugetraut wird. Und ich muss auch nicht perfekt sein, kann ich nicht und sollte ich vielleicht auch gar nicht.

Meine Vorbilder waren es schließlich auch nicht. Und nur so kann ich ja der nachkommenden Generation ermöglichen, auch selbst zum Vorbild zu werden.

Denn das war zumindest meine Erfahrung: Die besten Vorbilder waren die, die auch erreichbar waren.

Ihre Pastoralreferentin Sandra Lohs

­