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Liebe Leserinnen und Leser,

weniger ist mehr - wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Meistens von Leuten, die mir etwas beigebracht haben. Man meint fast, es ist so eine Faustregel für alle Lebensbereiche: von der Gestaltung von Plakaten, über den Einsatz von Gewürzen beim Kochen bis zum Auftragen von Schminke, um nur ein paar Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung mit dem Ausdruck zu nennen.

Gerade wenn ich mit etwas anfange, neige ich dazu gleich alles auf einmal machen und einsetzen zu wollen. Aber das ist einfach oft zu viel des Guten. Von daher muss ich mir diesen Satz „Weniger ist mehr“ oft selbst ins Gedächtnis rufen oder ihn eben auch denen mit auf den Weg geben, denen ich jetzt etwas beibringen darf. Aber ist das dann gleich Minimalismus - also das geringste Maß? Ich glaube nicht. Ich sage damit ja nicht zwangsweise: „Nimm oder mache so wenig wie möglich!“, sondern für mich heißt dieser Rat „Weniger ist mehr“: Mach oder nimm so viel wie nötig.

Das muss nicht immer das allerkleinste Maß sein, sondern das, was gerade gebraucht wird. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So eben, dass das Wesentliche in den Vordergrund treten kann. Ich bleibe mal bei einem meiner Beispiele: Benutze ich beim Kochen zu wenig Gewürze, schmeckt es fade, benutze ich zu viel, tritt die Hauptkomponente in den Hintergrund und ich schmecke nur einen Wust aus Gewürzen. Das rechte Maß ist wie so oft im Leben entscheidend. Mein Alltag ist immer noch eingeschränkt und oft heißt es kreativ werden, um trotzdem Dinge möglich zu machen - beruflich wie privat. Und dabei stellt sich für mich oft die Frage, was ist denn wirklich nötig? Was ist das Wesentliche, der Grund warum ich manches sonst gemacht habe? Und dabei erkenne ich, dass dieser Kern oft in den Hintergrund getreten ist, weil zu viel „Gewürz“ - zu viel eigentlich Unnötiges sich in den Vordergrund gespielt hat. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass diese Pandemie nicht nur Schlechtes hervorbringt, sondern dass sie meine Sinne schärft für das, was wirklich gebraucht wird. Und für mich ist eben gerade jetzt die Chance, so manches, was vorher zu viel war, zu reduzieren, um wieder zum Wesentlichen zu gelangen. Und ich hoffe, dass ich mit mehr Feingefühl für ein gesundes Maß aus dieser herausfordernden Zeit heraus gehe.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit, in der Sie die wesentliche Botschaft der Osternacht nicht aus dem Blick verlieren: Gott schenkt uns ein Licht der Hoffnung, das die Dunkelheit durchbricht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ihre Pastoralreferentin Sandra Lohs

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