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Liebe Schwestern und Brüder,

wir leben in Zeiten, deren Umstände wir uns vor wenigen Tagen kaum hätten vorstellen können. Das Stichwort „Corona“ beschäftigt mittlerweile jedwede Unterhaltung, ob in der Familie, oder am Arbeitsplatz. Hatten wir vor wenigen Wochen noch die Hoffnung, dass alles nicht so schlimm werden würde, ist diese Hoffnung mittlerweile einer ganzen Reihe von Einschränkungen gewichen. Die Hoffnung hat sich vielleicht geändert: hoffentlich geht das bald vorbei und hoffentlich bleibe ich/bleiben wir gesund.

„Lasst uns hoffen“, so haben wir unseren Pfarrbrief überschrieben und als wir dieses Thema gewählt haben, konnten wir nicht ahnen, wie aktuell wir sein würden. Natürlich hat sich auch bei mir so manche Hoffnung zerschlagen, so die Hoffnung, Ostern wieder „normal“ feiern zu können. Ein Ostergottesdienst unter Ausschluss der Gemeinde – eigentlich unvorstellbar. Wie sagte es unlängst eine ältere Dame: sowas hat es noch nicht einmal im Krieg gegeben. Das stimmt wohl, aber Hoffnung setzt nun mal etwas voraus: wir müssen schauen, was wir in schwierigen Situationen auch eigenständig tun können. Die Hände in den Schoß legen und darauf hoffen, dass Gott schon alles richtig machen wird, ist meist kein wirklich guter Ratgeber. Das klappt schon in der Schule nicht. Es reicht nicht, am Abend vor der Probe zu Gott zu beten, dass er einem das Richtige eingibt, man muss schon selbst aktiv lernen, um vernünftige Ergebnisse zu erzielen. Und auch die aktuelle Situation sollte nicht allein von einem Hinschieben aller Probleme zu Gott getragen sein. Bei allem notwendigen und guten Gebet für die Mitmenschen wie für sich selbst muss jeder einzelne Mensch selbst Vorsorge leisten, um sich und andere nicht zu gefährden. Insofern ist der Wegfall ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt. Nichts desto trotz finde ich die Grundhaltung der Hoffnung für ganz wichtig, um unser menschliches Miteinander zu entspannen. Es nützt uns nichts, jetzt pessimistisch durch die Gegend zu ziehen und alles nur noch schwarz zu sehen. Die Grundhaltung der Hoffnung kann uns die Kraft geben, nach vorne zu schauen und das Beste aus dem zu machen, was gerade ansteht. Karl Valentin hat das einmal in schöne Worte gebracht: „Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Wir können an der aktuellen Situation nicht zu viel ändern, aber an der Art und Weise, wie wir an sie, an unser Leben herangehen. Hoffnung und Zuversicht sind positive Triebkräfte, die sollten wir mit Gottes Hilfe gerade in der kommenden Zeit füreinander einsetzen. Hätte Jesus nicht gehofft – es würde kein Ostern nach dem Karfreitag geben...

Ich wünsche Ihnen – trotz allen Umständen – ein gesegnetes Osterfest.

Ihr Pfarrer

Michael Erhart

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