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Liebe Leserinnen und Leser,

„Ich trau mich das“, ein Satz, ein Gedanke, den man sich sicherlich nicht nur einmal im Leben selbst gesagt hat.

Das Sich-Etwas-Trauen mag dabei beispielhaft bei solchen Situationen beginnen, wie manche Kinder sich zunächst trauen auf hohe Klettergerüste wie Katzen auf hohe Bäume zu steigen – sie denken dabei nicht daran, dass sie irgendwann wieder runter müssen. Und dann sitzen sie dort oben und jammern wie Katzen, die zu weit hinaufgeklettert sind und allein nicht mehr den Rückweg und den Abstieg finden. Für eine Katze wird manchmal die Feuerwehr gerufen – für ein Kind reicht oft die Zusage: „Komm, spring in meine Arme – ich werde Dich auffangen!“  Doch wann kann das Kind dem Erwachsenen dies glauben?
Das Kind braucht Erfahrungen, auf das es in diesem Moment aufbaut. Wenn es in die Arme eines Fremden springt, dann ist die ganze Breite an Erfahrungen mit vielen Menschen relevant – dann ist ein, dann ist mein Grundvertrauen gefragt.
Einfacher ist es, wenn da jemand steht, den ich kenne – mit dem ich schon konkrete Erfahrungen gemacht habe. Dann stellt sich die Frage konkret auf eine Person hin:

Kann ich Dir vertrauen?

Kann ich Dir glauben, dass Du Dein Wort hältst?

Hast Du die Kraft und den Willen mich aufzufangen?

Das mag eine Situation des Sich-Trauens sein, im Leben gibt es aber immer wieder Situationen, wo es eben nicht so trivial ist.

Gerade dann, wenn es um Weichenstellungen im Leben geht, die die weitere Zeit für sich selbst oder auch der Mitmenschen grundlegend verändern: Bei angestrebten, beruflichen Veränderungen, bei der Sorge um Verwandte und Familie, auch beim Eingehen einer Ehe oder mit der Geburt von Kindern:

Kann ich mir vertrauen, das anzugehen und durchzuhalten?

Kann ich meinem Gegenüber glauben, dass er/sie sein/ihr Wort hält?

Habe ich, haben wir die Kraft und den Willen mich oder uns aufzufangen, wenn Entscheidungen sich doch nicht in die richtige Richtung entwickeln?

Ich trau mich das…

Ich trau mich das? – Trotz allem, was mich das Leben gelehrt hat?

Ich trau mich das!

Dennoch!

In der Bibel stellt sich der Apostel Thomas diese Frage des Sich-Trauens: Bist Du der Jesus, den ich kenne und mit dem ich schon so viel erlebt habe? Bist Du der, dem ich vertraue?

Ja, dann will ich mich fallen lassen –

ich will an Deine Auferstehung glauben – ich will laut ausrufen, dass Du „Mein Herr und mein Gott“ bist!

Mit diesem Ausruf des Glaubens zeigt Thomas, wer Jesus für ihn ist und dass er für und mit Jesus leben will. Gemäß dem ersten Johannesbrief gehört „jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist“, zu Gott und ist durch die Kraft des Geistes mit Gott verbunden. Dieser Glaube ist stärker als alles in der Welt, da er uns direkt mit Gott verbindet, der nicht auf diese Welt begrenzt ist.

Mit diesem Glauben ist es auch möglich, eben das, was uns belastet, zumindest ein Stück hintenanzustellen und gar eine Hoffnung und positive Grundeinstellung zu entwickeln, die mich immer wieder sagen lässt:

Ich trau mich das!

Damit meine ich aber nicht, dass Glaube die Realität in und um uns verdrängen soll.

Mit diesem Glauben kann ich aber Schritte wagen, Hoffnung sähen, Freude schenken, Gutes denken.

Ich kann mich fallen lassen, wo ich es sonst vielleicht nicht tun würde, wenn mein Grundvertrauen in mich, in mein persönliches Umfeld, in Institutionen nicht stark genug ist.

Doch mein Gottvertrauen kann stärker sein und immer stärker werden, wenn ich auf meine täglichen Erfahrungen mit Gott schaue – ich werde mir bewusst, dass er mir mein Leben geschenkt hat und dieser Gott mir was zutraut. Dann kann ich nicht nur wie Thomas am achten, sondern jeden Tag Glauben wagen und ausrufen:

Ich trau mich das.

Und so wünsche ich Ihnen das stets nötige Zutrauen in sich selbst, Ihre Gaben und Fähigkeiten zum eigenen Wohl aber ebenso zum Wohle anderer einzusetzen und Sie sich zutrauen, etwas Neues zu wagen; das stets im Glauben und der Hoffnung, dass man nie tiefer fällt, als in Gottes Hand.

Ihr Diakon

 Andreas Hofer

„Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm 5,5)

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