Liebe Leser*innen,
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich mit dem Thema „das echte Leben findet offline statt“ sehr schwer getan habe. Vielleicht, weil darin gerade für junge Leute (zu denen ich mich gerade noch so zähle) da so ein unterschwelliger Vorwurf mitschwingt. Ja, ich verbringe viel Zeit online.
Aber braucht es das nicht auch, um am Puls der Zeit zu bleiben? Denn wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen... Und auch da klingen Vorwürfe in Richtung der älteren Generation an und schon entbrennt der Streit, in dem die Älteren den Jüngeren Realitätsflucht diagnostizieren und die Jüngeren den Älteren ein Verharren im ewig Gestrigen.
Und ich glaube, beide Seiten haben Recht. Deswegen treffen die Vorwürfe ja so und verleiten zum Gegenschlag. Denn wenn nichts dran wäre, würde man die Argumente sachlich entkräftigen können. Aber gerade weil etwas wahres dran sind, wird es emotional. „Nur der getroffene Hund bellt.“
Das ist glaube ich auch der Grund, warum ich mir bei diesem Thema so schwer getan habe.
Weil ich merke, welcher Zündstoff darin liegt. Und weil es mich als (relativ) jungen Menschen in Frage stellt. Und zwar zurecht. Weil ich mich wirklich oft sinnlos in den Social Media Kanälen verliere oder in Filmen und Serien vor der Realität fliehe oder mir unangenehme Anrufe erspare, indem ich die Antwort im Internet suche (was im Übrigen nicht immer zum schnelleren Erfolg führt).
Aber wenn ich die Wahl habe, am Handy zu hängen oder mit Freunden zum Beispiel jetzt an Fasching unterwegs zu sein, dann lass ich das Handy liebend gerne in der Tasche. Und ich glaube, da bin ich auch in der jüngeren Generation bei weitem nicht die einzige. Denn all die Sinneseindrücke - sehen, hören, riechen, schmecken, spüren - das kann ich so richtig und intensiv nur „offline“erleben, nur wenn ich selbst live dabei bin.
Ich bin dankbar für all die Möglichkeiten, die das Internet mir bietet. Es erleichtert vieles oder macht Dinge möglich, die man sich früher nicht hat erträumen können. Aber gerade wenn es an diese „echten“ selbst empfundenen Emotionen und Sinneseindrücke geht, kommt die virtuelle Welt (noch) an ihre Grenzen
Wer weiß, wie es in ein paar Jahren und Jahrzehnten aussieht und was man dann als „das echte Leben“ betiteln würde.
So einfach ist es mit dem „echten“ Leben auch nicht. Denn ich kann von echten Schicksalen, die auf Social Media geteilt werden, genauso berührt werden, obwohl ich die Person weder persönlich kenne, noch vor mir sitzen habe. Was ist denn „echt“? In Zeiten von KI ist das nebenbei bemerkt auch gar nicht mehr so leicht zu sagen, aber das Thema würde jetzt zu weit führen.
Für mich ist echt, was mich im Herzen berührt. Das geht über den direkten Kontakt leichter, aber das heißt nicht, dass es nur offline geht.
Ich wünsche Ihnen für die kommende Zeit, dass Sie viele echte Emotionen spüren und vielleicht das ein oder andere Mal das Leben mit allen Sinnen aufsaugen, gerade auch in den kleinen unscheinbaren Momenten.
Einfach mal das Handy beiseite lassen und die Wunder Gottes spüren, die sich L(I)EBEN nennen.
Ihre Pastoralreferentin
Sandra Lohs

