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Wohin geht die Reise?

Nun stellt sich diese Frage für die Sommerzeit, quasi wie jedes Jahr. Und mit der leichten Rückkehr zur Normalität in diesen Wochen, auch wieder für diesen (Urlaubs-)Sommer. Auf der anderen Seite treibt einen diese Frage ebenso mit dem Blick in den Herbst um: Bleibt es bei diesem Rückkehrtrend, wie wird diese Normalität sein oder muss ich mich wieder einschränken? Wie lange hat auch so eine sicher gewähnte Normalität Bestand?

Bei all dem, von der einfachen Frage einer Urlaubsreise bis hin zur tagtäglichen Gestaltung unseres Lebens, dreht es sich dabei für mich um zwei Rahmenaspekte: Einerseits die Freiheit, dies oder das zu tun oder zu lassen, mit dieser Freiheit auch auf ein Ziel hinzusteuern. Andererseits der Umgang mit plötzlich nicht mehr gegebener Freiheit.

Allzu oft erscheinen einem Ziele schwer oder gar nicht erkennbar, allzu oft scheint die persönliche Freiheit begrenzt zu sein durch die verschiedensten Verpflichtungen, die man sich selbst auferlegt oder auferlegt werden. Wie eine „Reise“ gelingen kann, ist eine Frage, die Menschen seit jeher bewegt. Aus christlicher Perspektive ist dies ein wesentlicher Aspekt, einfach aufzubrechen. Das taten die Apostel mit dem Ziel, den Glauben an Jesus, den Christus und die befreiende Botschaft daran in die Welt zu tragen. Aufzubrechen sogar auf einen unsicheren Weg, mit einem nicht erkennbaren Ziel, das erfordert Mut. Aber gerade diese unsicheren Wege ohne große, detaillierte Planung, belohnen um vieles mehr. Wenn ich kreativ sein muss, Neues wagen, um dann ein Ziel zu erreichen, das vorher gar nicht absehbar, was aber dafür umso besser ist. Die damit geschenkte Freiheit konnte ich immer wieder erleben und sie motiviert weiter, offen und frei an auch schwierige Situationen heranzugehen.

Ich wünsche uns allen, dass auch diese Freiheit des Aufbruchs in unserer Kirche lebendig bleibt und noch viel lebendiger wird.

Für mich persönlich geht so eine Art Reise, die ich vor recht genau fünf Jahren begonnen habe, mit immer mal unsicherem Weg und Ziel, nun zu Ende. Den Zielpunkt, den ich damit erreiche, ist, wenn man so möchte, aber keine Ankunft oder gar Ende, sondern der Beginn einer ganz neuen Zeit und Aufgabe.

Fünf Jahre dauerte meine „Reise“ zur Weihe zum ständigen Diakon. Fünf Jahre, in denen ich viel Neues erlernen und erleben durfte. Fünf Jahre, in denen ich unsere katholische Kirche und Pfarreien-gemeinschaft „neu“ erleben konnte. Ganz besonders aber: Fünf Jahre, in denen ich vielen Menschen begegnen und diese kennenlernen durfte.

Und: Fünf Jahre Freiheit trotz einer fordernden aber nie erschöpfenden Zeit durch Beruf, Kirche, Privatleben und Familie.

Obwohl meine Reise dann als Diakon erst ab dem 25. September 2021 so richtig beginnt, bin ich schon jetzt unendlich dankbar für die Gespräche, für die Hilfestellung und auch den Ansporn und das Gebet, das mir entgegengebracht wurde. Die prägende Erkenntnis aus diesen Ausbildungsjahren ist, dass auch abseits von Theologie, Liturgie und Weiheamt eben die Begegnung und Unterstützung von jedem Menschen der Kern meines auch zukünftigen seelsorgerischen Dienstes sein soll, sein muss, sein wird.  Der Dienst für die Menschen, egal in welcher Lebenssituation sie sich befinden, egal ob bei Begegnungen im Beruf, in der Kirche, im Supermarkt oder wo auch immer, ist schlichtweg die treibende Motivation für diakonisches Handeln, nicht nur für Diakone.

Bei aller generellen Motivation und Pflicht dieses Dienstes, auch und gerade in schwierigen Lagen, braucht es einen Halt; für jeden Seelsorger und für jede Seelsorgerin, aber ebenso für alle Menschen, die sich engagieren für das Wohl anderer, im Ehrenamt, in der Politik, in ihrem beruflichen Umfeld, in ihrer Familie; überall dort, wo eben nicht stets Sonnenschein herrscht.

Dass nicht immer Sonnenschein herrscht, eine „Sommerreise“ auch mal jäh enden und auch der eigene Halt verloren gehen kann, das konnte unsere Region Mitte Juli erleben, als mit keinerlei Vorwarnung Hochwasser gravierende und nachhaltige Schäden verursachte. Auch hier den Blick dann auf das Wesentliche zu legen, eben mittendrin zu sein, um (seelsorgerisch) zu unterstützen, das hat und wird mein Handeln und meinen Dienst auch in Zukunft prägen.

Dass ein Halt für mich in unserem Glauben fußt, ist selbstredend und auch die Basis für meinen Dienst, denn so ein Halt trägt jede „Reise im Leben“. Dazu ist ein weiterer (Rück-)Halt ebenso wieder jeder Mensch, der bestärkt aber auch ein kritisches Wort nicht scheut; denn auch konstruktive Kritik lässt einen wachsen und erhält die „Bodenhaftung“, die für die Wahrnehmung des Gegenübers und den Kontakt auf Augenhöhe unerlässlich ist.

So bitte ich Sie alle, mir auch in Zukunft wann und wo immer möglich, mit offenen und ehrlichen Worten zu begegnen. Denn auch solche Gespräche sind Kirche.

Zuletzt wünsche ich Ihnen allen einen ruhigen und erholsamen Sommer, auch mit dem einen oder anderen (Reise-)Aufbruch.

Ich freue mich, wenn wir uns in dieser Zeit aber auch in den Wochen nach meiner Diakonweihe in den Gottesdiensten und erst recht darüber hinaus begegnen und so immer wieder ins Gespräch kommen.

Dafür: Vergelt´s Gott

Ihr (Diakon in spe)

Andreas Hofer

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