Lohn wäre das Ideal, aber wie soll er errechnet werden? Beim Evangelisten Matthäus (Kapitel 20) gibt es das schöne Reich-Gottes-Gleichnis über das, was man zum Leben braucht. Vor 2000 Jahren gab es in Palästina ähnliche Probleme wie heute - Niedriglöhne, Lohndrückerei und Ausbeutung. Nichts Neues also unter der Sonne. Jesus macht daraus dieses Gleichnis: Da lässt ein Weinbergbesitzer Arbeiter für seinen Weinberg anwerben. Sie arbeiten unterschiedlich lange, die einen 12 Stunden, andere 9 Stunden, wieder andere 6, die vorletzten schließlich 3 Stunden und die letzten nur 1 Stunde. Und das Besondere an dem Gleichnis? Er vereinbart mit allen den gleichen Lohn. Und wie ausgemacht, so kommt es auch: am Abend kommt es zur Auszahlung. Jeder erhält also einen "Denar" als seinen Lohn, denn jeder sollte davon leben können. Der "Denar" war damals so etwas wie der tägliche Mindestlohn für eine große Familie. Er reichte für ein paar Tage gut aus. Also bekam auch der, der nur 1 Stunde gearbeitet hatte, den einen Denar. Natürlich regten sich die anderen auf. Diejenigen, welche 9 und 12 Stunden und noch dazu in der Mittagshitze gearbeitet hatten, schimpften am meisten. Der Weinbergbesitzer aber teilt jedem das Seine zu, wie ausgemacht. Es ist kein Zufall, dass Jesus Christus diesen Vergleich herstellt. Er kannte die Realität der damaligen Arbeitswelt. Es geht Jesus hier auch um das materielle Wohl der Arbeiter. Gottes Liebe, so die Quintessenz des Gleichnisses, teilt jedem das Seine zu. Aber nicht erst im Jenseits. Schon hier gilt es, Gottes Liebe Struktur werden zu lassen. Denn Sein Reich, das Reich Gottes, beginnt hier in dieser Welt. Für uns Christen bedeutet das, dass uns die Situation der Menschen in Leiharbeit, in Niedriglöhnen und in weniger geachteter Arbeit angeht. Denn, was die Menschen heute angeht, was sie sorgt, ängstigt und auch was sie freut, das geht auch uns als Kirche an. Die KAB und die Betriebsseelsorge haben hier ihren Ort und ihre Kompetenz – im Namen der Kirche. Unser Programm muss also lauten: GUTE ARBEIT statt unsichere Arbeit! Papst Benedikt tritt in seiner Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ für eine „weltweite Koalition für würdige Arbeit“ ein, also: „eine Arbeit, die in jeder Gesellschaft Ausdruck der wesenseigenen Würde jedes Mannes und jeder Frau ist eine frei gewählte Arbeit, die die Arbeitnehmer, Männer und Frauen, wirksam an der Entwicklung ihrer Gemeinschaft teilhaben lässt eine Arbeit, die auf diese Weise den Arbeitern erlaubt, ohne jede Diskriminierung geachtet zu werden eine Arbeit, die es gestattet, die Bedürfnisse der Familie zu befriedigen, die Kinder zu Schule zu schicken, ohne dass sie gezwungen sind zu arbeiten eine Arbeit, die den Arbeitnehmern erlaubt, sich frei zu organisieren und ihre Stimme zu Gehör zu bringen eine Arbeit, die genügend Raum lässt, um die eigenen persönlichen, familiären und spirituellen Wurzeln wieder zu finden eine Arbeit, die den in die Rente getretenen Arbeitnehmern würdige Verhältnisse sichert.“ Die Kirche will die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sie setzt sich ein für den Abbau von Diskriminierung und eine vernünftige Mitbestimmung im Beruf, für GUTE und FAIRE Arbeit. Entscheidendes Kriterium jeder Arbeit ist immer der Mensch. Der einzigartige, originelle, unersetzbare Mensch muss immer im Mittelpunkt stehen, denn er ist es, der die Arbeit verrichtet, er allein ist Person. Lasst uns also auch in unserer Pfarreiengemeinschaft gemeinsam Zeichen setzen, damit diese großen Gedanken der Kirche auch Wirklichkeit werden können.
Ihr Gemeindereferent Rudi Reinhart